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Christina Winkel

„ Im Theater ist was los; egal,was die von mir woll´n, ich sag ihnen: JA!“

1974 begann ich am Theater Stralsund -genau mit diesem Gedankengut aus Georg Kreissler`s „ Lola Blau“ - als junge Mezzosopranistin. Bis 1989 lebte ich voller Inbrunst, voller Lust, voller Hingabe und Wohligkeit diesen Beruf.

Mit der Vereinigung Deutschlands kam die Angst; die Angst, diesen wunderschönen Beruf zu verlieren. Denn es galten plötzlich andere, schärfere, menschenunwürdige Gesetze. Reihenweise wurden Kolleginnen und Kollegen,die noch keine 15 Jahre am Theater waren,entlassen. Ich fiel unter die „ Glücklichen“, für die die damalige Gewerkschaft „Kunst“ der DDR die Unkündbarkeit erkämpfte. Das war ein Riesenerfolg!

Seitdem stellte ich mich als Linke an die vorderste Front der Gewerkschaft GDBA ( Gewerkschaft Deutscher Bühnenangehörige) am Theater und habe so manchen Kampf gewonnen und auch verloren. Die verschiedenen Gewerkschaften am Theater sind eine große Kraft, um bessere Arbeitsbedingungen und bessere Entlohnung zu erreichen. Auch sie sind wütend über die seit Jahren andauernden Entwicklungen in Richtung Fusionen und damit einhergehenden Abbau von Arbeitsplätzen und einer immer schleichenderen kulturellen Verelendung der Bevölkerung. Die herrschende Politik bestimmt die Richtung – zur Zeit in Richtung Theaterstrukturreform. Man will etwas „reformieren“; reformieren jedoch heißt,dass eine Reform Neues, Besseres hervorbringen sollte. Reformieren bedeutet nicht, Abbau des Bestehenden in Größenordnungen!

Diese Theaterstrukturreform muß gestoppt werden- sofort! Man kann und darf Theater nicht als Kostenfaktor sehen. Die Theaterstruktur in Mecklenburg-Vorpommern hat sich doch bestens bewährt. Sollte man nicht lieber investieren statt reformieren? Die Theater haben Hervorragendes geleistet bei gleichbleibenden Subventionsmitteln seit dem Jahre 1994! Auf Kosten und Ausbluten der Macher.

Bei den derzeitigen Verhandlungen sind die Gewerkschaften eine starke Macht. Ich bin mir sicher,dass sie die Interessen der Theatermitarbeiter fundiert vertreten und verteidigen werden.

Dies hätte ich mir auch vom Theaterintendanten, Herrn Löschner, gewünscht. Viel zu früh hat er sich den vorgegebenen Bedingungen angepasst. Die Unesco-Kommission hat in ihrer Begründung zur Aufnahme der Theaterlandschaft Deutschlands ins immaterielle Kulturerbe 2014 folgendes hervorgehoben:

„ Die deutsche Theater-und Orchesterlandschaft zeichnet sich durch eine in der Welt einmalige Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen aus, welche sich in Schauspiel, Figurentheater, Oper, Operette, Musical, Tanz, Konzert sowie in performativen Veranstaltungen unterschiedlicher Art verwirklichen“.
Wollen wir das wirklich zerstören?

Der politische Unverstand der SPD/CDU- Regierung in unserem Land zerstört unser Kulturerbe! Ihre Wahlaussagen zu Kunst und Kultur sind scheinheiliges Getue, denn die Realität ist eine andere. Gern hängen sich diese Damen und Herren in unseren wunderschönen Theatern bei Orchesterklängen gegenseitig Orden an die Brust und reden vom Erhalt der Kultur und Kunst…

Ich wünsche mir, dass es auch künftig Generationen von Gesangsstudenten gibt, die enthusiastisch singen dürfen,wenn sie ihr Erstengagement antreten:

„Im Theater ist was los! Egal,was die von mir woll`n, ich sag ihnen: JA!“